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12.02.2018

„Blicken“ statt „Klicken“

Spende der Raiffeisenlandesbank OÖ ermöglicht die Anschaffung eines Augensteuerungsgerätes für LIFEtool.
Foto: Frau S. aus Linz kann selbst nicht mehr sprechen. Sie bedient den Computer mit Hilfe der Augensteuerung und kommuniziert damit mit ihrem Mann und der Pflegekraft.

Augensteuerungen haben schon vielen Menschen mit Rückenmarksverletzungen oder ALS geholfen, wieder selbstbestimmt und eigenständig zu kommunizieren. Grundlage dafür ist die Möglichkeit, einen Computer und das Internet nur mithilfe der Augen bedienen und nutzen zu können – weder Computermaus, Tastatur oder andere Eingabehilfsmittel sind dafür notwendig.

Finanzierungsdschungel überfordert Betroffene

Leider ist die Finanzierungslage für Betroffene überaus komplex und nicht einheitlich geregelt. Dabei ist nicht nur die föderale Vielfalt zu bedenken, sondern auch die Vielzahl an Versicherungsträgern. Derzeit gibt es keinen österreichweiten Rechtsanspruch auf diese assistierende Technologie. Für die Betroffenen bedeutet das einen Hürdenlauf durch viele Instanzen und Unsicherheit darüber, ob ihr Gerät überhaupt finanziell unterstützt wird.

Gerade bei PatientInnen mit ALS bestimmt Zeit über ein großes Stück Lebensqualität. Wenn der gesamte Körper und die Sprache versagt, der Geist aber noch wach ist, hilft die Augensteuerung den PatientInnen und ihren Familien in der verbleibenden Zeit noch kommunizieren zu können. Wichtige Zeit verstreicht, bis die Finanzierung mit den entsprechenden Stellen umgesetzt werden kann.

„Endlich sagen, was ich brauche“ - ALS Patientin kann wieder kommunizieren

Frau S. aus Linz ist 60 Jahre alt und hat seit 6 Jahren die degenerative Erkrankung ALS. Ihre Mobilität ist schon lange sehr eingeschränkt, doch sprechen konnte sie bis vor kurzem noch, so dass sie dem Pflegepersonal im Kepler Klinikum bislang immer noch sagen konnte, wo es ihr wehtut und was sie braucht.

Vor ein paar Monaten änderte sich das schlagartig und sie kann mittlerweile überhaupt nicht mehr sprechen und sich nicht mehr verständlich machen, weil sie auch ihre Arme und Hände nicht bewegen kann. Als sie vor zwei Wochen ins Kepler Klinikum kam, konnte sie dem Pflegepersonal und den Ärzten nicht mehr sagen oder verdeutlichen, wo es schmerzt oder was sie aktuell braucht, damit es ihr gut geht. Die meiste Zeit sitzt sie oder liegt im Bett. Wenn ihr beispielsweise kalt ist, kann sie niemanden um eine Decke bitten, wenn sie umgelagert werden möchte, weil das Liegen zu schmerzhaft ist, kann sie das nicht mehr sagen. Wenn man sich nicht mehr selbst ausdrücken kann, ist eine solche Situation für die Patienten sehr frustrierend und sie ziehen sich immer mehr zurück und werden depressiv – so wie es auch Frau S. ergangen ist.

Das Kepler Klinikum wandte sich an LIFEtool mit der Bitte, eine Augensteuerung bei Frau S. auszuprobieren. Im Sitzen hat die Augensteuerung auf Anhieb funktioniert und Frau S. lachte zum ersten Mal wieder seit langem. Sie konnte mit den Augen ihren Namen schreiben, sie konnte ihren Pflegern mitteilen, wo es ihr weh tat und was sie wollte. 

Leihgerät schließt die Lücke bis zur tatsächlichen Versorgung

Dank der Unterstützung durch die Raiffeisenlandesbank Oberösterreich können Menschen wie Frau S. zukünftig rasch und unbürokratisch mit dem Augensteuerungs Pool-Gerät ausgestattet werden und sofort wieder mit ihrem Umfeld kommunizieren. Sie können das Gerät verwenden bis die Versorgung mit dem eigenen Gerät abgeschlossen ist - es geht keine wertvolle Zeit verloren, denn Zeit ist ein Gut, das für Menschen mit ALS von unschätzbarem Wert ist.

Interessierte Betroffene melden sich bitte bei: 
Mag. Thomas Burger, LIFEtool Pädagogischer Leiter