18.11.2020

Sprachcomputer für Vanessa

Christkind-Aktion der Rundschau Rohrbach
Foto: Mädchen im Rollstuhl bedient Computer mit den Augen

Das Bezirksrundschau Christkind hat sich heuer eine besondere junge Frau ausgesucht: Vanessa

Vanessa ist 20 Jahre alt. Sie wohnt bei ihrer Mama und ihren zwei Geschwistern in Pfarrkirchen im Mühlviertel. Unter der Woche ist sie untertags in der Tagesbetreuung der Arcus Werkstätte Altenfelden. Vanessa lebt mit dem Rett-Syndrom, einer seltenen Erkrankung, die hauptsächlich Mädchen trifft. Auf Grund dieser genetischen Entwicklungsstörung ist sie auf einen Rollstuhl angewiesen und hat auch keine Lautsprache, d.h. es ist schwierig für Vanessa selbständig zu kommunizieren. Ihre Familie kennt Vanessas Art zu kommunizieren sehr gut und weiß in den meisten Fällen, wenn sie etwas braucht bzw. was sie braucht. Trotzdem muss ihr Umfeld immer interpretieren, was die junge Frau gerade sagen will. Wie frustrierend das ist, kann sich bestimmt jeder vorstellen, der sich kurz in die Lage versetzt, ohne Lautsprache kommunizieren zu müssen. Technik kann in diesem Fall sehr hilfreich sein, wenn Vanessa das richtige Hilfsmittel bekommt.

LIFEtool hilft bei der Suche nach dem richtigen Hilfsmittel für Vanessa
Hier kommt die LIFEtool gemeinnützige GmbH aus Linz ins Spiel. Es gibt Lösungn für Vanessas Wunsch, sich selbst ausdrücken zu können. Es ist typisch für das Rett-Syndrom, dass Vanessa die Hände nicht gezielt verwenden kann. Das bedeutet, dass sie auch keinen Computer auf die herkömmliche Weise mit einer Computermaus bedienen kann. Gesucht wurde nach einem Sprachcomputer, der nicht mit den Händen bedient werden muss und der zudem eine Kommunikation mit Symbolen ermöglicht.

 „Ideal für Menschen mit Rett-Syndrom ist ein augengesteuerter Sprachcomputer, der es Vanessa ermöglicht, Symbole auf der Computeroberfläche mit den Augen anzusteuern. Der Computer spricht dann die gewählten Symbole für Vanessa aus”, berichtet LIFEtool Beraterin Romana Malzer, die Vanessa und ihre Mama unterstützt. Vanessa hat mit ihrer Mama und der Beraterin den Sprachcomputer bereits ausprobiert und schon erste Erfahrungen gemacht.

„Es hat gut funktioniert und ich bin zuversichtlich, dass Vanessa mit einiger Übung damit umgehen kann. Sie wird in der Lage sein, mit Hilfe von Symbolkommunikation zum Ausdruck zu bringen, wie es ihr geht, was sie möchte und auch ganz wichtig, was sie nicht mag. Sie wird selbst in der Lage sein, Musik abzuspielen – nämlich genau die, die sie gerade im Moment hören möchte und auch Videos abspielen können, ohne dass sie auf die Hilfe eines anderen Menschen angewiesen ist, der das für sie übernimmt. Ein kleiner Schritt für uns, für Vanessa ein ganz großer Schritt in Richtung mehr Selbständigkeit”, berichtet Romana Malzer.

Computer mit den Augen bedienen
Grundlage für diese Technologie ist die Möglichkeit, einen Computer und das Internet nur mithilfe der Augen bedienen und nutzen zu können – weder Computermaus, Tastatur oder andere Eingabehilfsmittel sind dafür notwendig. Die Technologie, die dafür genutzt wird, heißt Eyetracking (Blickerfassung). Es geht darum zu sehen, wohin eine Person auf dem Bildschirm genau hinblickt. Der Eyetracker sendet infrarotnahes Licht aus und das Licht wird von den Augen reflektiert. Diese Reflektionen werden vom Eyetracker erfasst. Durch Filterung und Berechnung weiß der Eyetracker, wo die Nutzerin genau hinschaut. Menschen, die nicht sprechen und dabei auch nicht ihre Finger, Hände oder andere Körperteile kontrolliert bewegen können, um Tastatur, Maus oder Touchscreen zu benutzen, können über Eyetracking auf Symbole blicken oder Mitteilungen alleine über ihre Augen schreiben und anschließend den Computer diese laut aussprechen lassen. Mit den Augensteuerungscomputern ist es u.a. auch möglich, Fernbedienungen von Fernsehern und anderen Geräten einzuspeichern und mit den Augen zu bedienen, auch die Handybedienung mittels Augensteuerungscomputer lässt sich umsetzen.

Die Aufgabe von den BeraterInnen bei LIFEtool ist es dabei, den Computer an die individuellen Bedürfnisse anzupassen und auch die passende Software auszusuchen. LIFEtool schult die Betroffenen und das Umfeld und hilft dabei, den Computer mit den persönlichen Inhalten zu füllen. „Vanessa wird einen augengesteuerten Sprachcomputer vom schwedischen Unternehmen Tobii aus der neuesten Serie I-16 verwenden. Dieser ermöglicht die Verwendung der Augensteuerung nun sogar im Freien bei Sonnenlicht. Damit hat sich ein Wunsch vieler NutzerInnen erfüllt – denn gerade die Kommunikation in der Freizeit, mit Freunden passiert häufig draußen.”

Finanzierung von Sprachcomputern
Die Finanzierung von Hilfsmitteln für die Kommunikation wie die eines Sprachcomputers ist in Österreich nicht einheitlich geregelt. Anders als in den europäischen Nachbarländern wie in Deutschland, Italien und in den nordischen Staaten existiert kein österreichweiter Rechtsanspruch auf Beratung und Versorgung mit Assistierenden Technologien und Unterstützter Kommunikation. Konkret bedeutet das, dass die Finanzierung je nach Bundesland und Versicherung unterschiedlich ist und die Betroffenen einen würdelosen Spießrutenlauf absolvieren müssen. Zum Glück gibt es für Vanessa das Bezirksrundschau-Christkind, das sie unterstützen wird.

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