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I

Ich-Buch

uneinheitlich gebrauchter Begriff. Im engeren Sinne ein Buch, dass Informationen über den Nutzer enthält, insbesondere sein kommunikatives Repertoire und Hinweise auf den Umgang mit dem Nutzer. In diesem Sinn ist das Ichbuch ein Hilfsmittel der Kontaktpersonen. Das Ichbuch kann aber auch zusätzlich Abbildungen enthalten, beispielsweise Fotos seiner Familie, die der Nutzer aktiv zur Kommunikation einsetzen kann, oder es kann mit einem => Kommunikationstagebuch kombiniert werden.

ideografisch

siehe =>Ideogramm

Ideogramm

Schriftzeichen, das einen ganzen Begriff darstellt. Beispielsweise sind viele =>Bliss-Symbole ideografisch.

idiosynkratisches Symbol

Symbol, das typisch und einzigartig für ein einzelnes Individuum ist. So nennt man idiosynkratische Gebärden (Privatgebärden) diejenigen Gebärden, die Nutzer, die keinen Zugang zu tradierten Gebärdensystemen haben, spontan entwickeln. Idiosynkratische Gebärden werden daher oft nur von den jeweiligen Nutzern und wenigen eingeweihten Kontaktpersonen verstanden. Idiosynkratische Gebärden entstehen auch durch die Abwandlung konventioneller Gebärden durch die Nutzer. Auf der vokalen Ebene sind idiosynkratische Symbole diejenigen Laute oder Lautkombinationen, deren Bedeutung nur vertraute Personen kennen.

Ikon

bedeutet =>ikonisches Symbol (aus dem Griechischen für „Bild“). Der Begriff wird meist benutzt, um ikonische Symbole zu bezeichnen, die auf Sprachausgabegeräten platziert sind.

Ikonenvisualisierung

Hilfsmittel zum Lehren der Bedienung eines Sprachausgabegeräts. Der Nutzer bekommt auf einer Art „Spickzettel“ angezeigt, welche Tasten er drücken muss, um eine bestimmte Äußerung zu erzeugen. Diese Hilfe wird dann allmählich abgebaut.

ikonisch

bildhaft, anschaulich. =>Ikonizität

Ikonizität

1. allgemein: Grad der Bildhaftigkeit. Ikonizität bezeichnet den Grad der anschaulichen Ähnlichkeit, der für eine bestimmte Person oder eine bestimmte Personengruppe zwischen dem Aussehen eines Symbols und dessen Bedeutung besteht.

Die Dimension der Ikonizität hat die beiden Pole =>opak und =>ikonisch. Zwischen diesen beiden Polen liegt das Merkmal =>transluzent.

2. Unterstützte Kommunikation: Bei der =>semantischen Kodierung unterscheidet man zudem zwischen primärer Ikonizität und sekundärer Ikonizität von Abbildungen, je nachdem, wie stark die Assoziation zwischen dem Bild und den ihm zugeordneten Bedeutungen für einen bestimmten Personenkreis besteht. Beispiel: ein Bild von einem Apfel ist primär ikonisch für „Apfel“ und sekundär ikonisch für „essen“, „rund“, „süß“, „Versuchung“ etc.

Ikonvorhersage

anderes, heute nicht mehr so gebräuchliches Wort für =>Sequenzanzeige.

Imitationslernen

Lernen durch Nachahmung. Echtes Imitationslernen (im Unterschied zu bloßem Kopieren von Verhaltensweisen) setzt voraus, dass das Verhalten des anderen als intentional verstanden wird.

imperativ

Die kommunizierende Person zeigt auf etwas oder sagt etwas, um den Partner zu veranlassen, etwas Bestimmtes zu tun.=> Kommunikationsfunktion

indirekte Selektion

wird manchmal als anderes Wort für =>Scanning gebraucht. Eine andere Verwendungsweise des Worts versteht darunter jedes Selektionsverfahren, in dem der Anwender mehrere Einzelschritte vollziehen muss, um ein Element aus den Elementen seines Repertoires auszuwählen. Im letzten Fall fällt dann auch die =>Kodierung unter den Oberbegriff indirekte Selektion.

individuelles Kommunikationssystem

setzt sich aus den jeweils individuell abgestimmten Komponenten (körpereigenen Kommunikationsformen, Kommunikationshilfen, Selektionsverfahren, Vokabular, Kommunikationsstrategien) zusammen.

individuelles Vokabular

Gesamtmenge der zur Kommunikation zur Verfügung stehenden Symbole. Das individuelle Vokabular lässt sich unterteilen in =>Kernvokabular und =>Randvokabular.

Inhaltswörter

Nomen, Verben, Adjektive im Unterschied zu =>Funktionswörtern (Partikeln, Präpositionen, Konjunktionen, Modalverben etc. ).

Intensive Interaction

in Großbritannien von Melanie Nind und David Hewett entwickelter Ansatz zur Unterstützung und Förderung der sozialen Interaktion und frühen Kommunikation bei Menschen mit ausgeprägter Lernbeeinträchtigung. Intensive Interaction wird inzwischen auch bei Menschen mit Autismus und Menschen mit Hospitalismus angewandt.

intentional

absichtlich, zielgerichtet, bei manchen Autoren zusätzlich auch noch „bewusst“. Intentionales Verhalten nennt man auch Handlung. =>Intention, =>Kommunikation

Intention

(aus dem Lateinischen für „Absicht“) Es gibt keine allgemeingültige Definition, d.h. verschiedenen Autoren gebrauchen den Begriff unterschiedlich. Oft wird darunter verstanden, dass gedanklich (mental) ein Plan entwickelt wird, der zum einen ein mentales Handlungsziel beinhaltet und zum anderen die mentale Auswahl zwischen verschiedenen Wegen hin zum Ziel. =>Intentionalitätsstufen

Intentionalitätsstufen

Man kann zwischen verschiedene Graden der Intentionalität von Kommunikation unterscheiden. Beispielsweise sprechen Cecilia Olsson und Mats Granlund von Zielintentionalität, wenn eine Person bewusst ein Verhaltensziel verfolgt. Die nächste Stufe ist die Mittelintentionalität: Die Person versteht jetzt, dass sie sich an eine andere Person wenden kann, um ein Verhaltensziel zu erreichen. Erst auf der nächsten Stufe, der Partnerintentionalität, versteht die Person, dass sie ein Verhaltensziel erreichen kann, indem sie die Gedanken einer anderen Person beeinflusst.

Intentionalität, geteilte

auch: Wir-Intentionalität. Nach dem sprachentwicklungspsychologischen Ansatz von Michael Tomasello setzen Kinder ihre neu erworbenen =>Joint-Attention-Kompetenzen anfangs vornehmlich für individuelle Zielsetzungen ein. Darauf aufbauend entwickele sich die sog. Wir-Intentionalität: Die Kommunikationspartner teilen das Wissen über ein gemeinsamen Ziel (z.B. Bau einer Kiste) und einen zielführenden Handlungsplan, wissen über die Komplementarität ihrer Handlungsrollen (z.B. einer hält fest, der andere hämmert) und wissen davon, dass der andere von diesem geteilten Wissen weiß (geistige „Vogelperspektive“/mentaler Rollentausch). Geteilte Intentionalität ist nach Tomasello eine sozialkognitive Voraussetzung für den Spracherwerb.

InterAACtion

Manual zur Unterstützung der frühen Kommunikation in Anlehnung an die diagnostischen Kriterien des =>Triple C

Interaktion

In der Terminologie der Handlungstheorie ist Interaktion partnerorientiertes Handeln. So gesehen, ist Interaktion der Oberbegriff zur =>Kommunikation. Es gibt aber auch noch andere Gebrauchsweisen des Begriffs.

Intersubjektivität

bezieht sich darauf, dass zwei oder mehr Personen geistig etwas teilen. Der Begriff wird in verschiedenen theoretischen Ansätzen unterschiedlich gebraucht.

1. In Anlehnung an Colwyn Trevarthen wird im Diagnostikmodell von Daelman, Nafstad und Rødbroe von primärer Intersubjektivität gesprochen, wenn zwei Partner sich gefühlsmäßig aufeinander einstimmen (=>attunement) und dadurch ein Gefühl der Zusammengehörigkeit und Gemeinsamkeit entwickeln. Nach dem Erwerb der =>joint attention  entstehe eine weitere Ebene des Zusammengehörigkeitsgefühls durch den gemeinsamen Bezug auf Gegenstände, Ereignisse und Gedanken, die sogenannte sekundäre Intersubjektivität.

2. In einer anderen Gebrauchsweise des Wortes spricht man davon, dass Symbole intersubjektiv geteilte Zeichen sind. Die Symbolnutzer wissen von den Bedeutungen des Symbols und sie wissen voneinander, dass sie von den Bedeutungen des Symbols wissen. Darüber hinaus wissen sie auch vom gegenseitigen Wissen über die Bedeutungen des Symbols. In diesem Sinne bringt die Intersubjektivität die verschiedenen „geistigen Perspektiven auf einen Sachverhalt“ auf einen Nenner. Sie ermöglicht somit ein koordiniertes Handeln gegenüber diesem Sachverhalt. Außerdem erlaubt das Zusammenführen der verschiedenen Perspektiven auf einen Gegenstand ein Verständnis des Sachverhalts, das über die eigene individuelle Perspektive hinausgeht.

intuitive elterliche Didaktik

Mechthild und Hanus Papoušek  bezeichnen damit die bei allen Menschen biologisch angelegte Kompetenz, sich Babies gegenüber verständlich zu machen und diese zu verstehen. Diese ist unbewusst und unwillkürlich. Sie wird durch Merkmale des Kindes (z.B. niedliches Aussehen) ausgelöst. Die intuitive elterliche Didaktik umfasst unter anderem die Fähigkeiten, die „Körpersprache“ des Kindes zu lesen, den Wachheitszustand und das Aktivierungsniveau des Kindes kozuregulieren (anregen, wenn es zu schläfrig ist; beruhigen, wenn es übererregt ist), dem Kind das Erkennen der Signale des Partners zu erleichtern (beispielsweise Gesicht so präsentieren, dass es gut erkannt werden kann; angepasste Stimmlage und Sprache) und Mimik und Körperbewegungen des Kindes zu spiegeln. Eine Teilkompetenz der intuitiven elterlichen Didaktik ist die von Mary Ainsworth beschriebene =>mütterliche Feinfühligkeit. Die intuitive elterliche Didaktik ist nur dann automatisch abrufbar, wenn das Kind die korrespondierenden Rückkopplungssignale gibt, z.B. wiederlächelt, wenn man es anlächelt. Fallen diese aufgrund einer Behinderung des Kindes aus oder werden so verzerrt gegeben, dass der Partner sie nicht erkennt, wird dadurch die intuitive elterliche Didaktik gehemmt.  Gerade dies ist aber bei vielen Behinderungen, etwa dem Rett-Syndrom oder schweren Formen der Cerebralparese, der Fall. Deshalb brauchen die Eltern Unterstützung, um sensibler für die "andersartigen" Zeichen für Interaktion/Kommunikation  zu werden. Der Einsatz der intuitiven elterlichen Didaktik kann auch von Seiten der Eltern z.B. durch eigene Traumatisierung oder Ambivalenz gegenüber dem Kind gehemmt werden.