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K

Kandidatenmodell

Früher ging man davon aus, dass Unterstützte Kommunikation nur indiziert sei, wenn die Person mit Kommunikationsbeeinträchtigung über bestimmte kognitive Voraussetzungen verfügt, beispielsweise gutes Sprachverständnis. Diese Auffassung gilt heute als unzutreffend, derzeit wird oft nach dem => Partizipationsmodell gearbeitet.

Kernvokabular

Übersetzung des englischen Begriffs „core vocabulary“. Das Kernvokabular umfasst Wörter, die über verschiedene Situationen hinweg häufig gebraucht werden. Zusammen mit dem =>Randvokabular ergeben sie das =>individuelle Vokabular. In dem Satz „Auf der Isaac-Konferenz in Dortmund gab es viel zu sehen, unter anderem benutzerfreundliche Kommunikationssoftware.“ gehören zum Kernvokabular die Ausdrücke „auf, der, in, gab, es, viel, zu, sehen, unter, anderem“, die anderen Ausdrücke gehören zum Randvokabular. Die Unterscheidung zwischen Kern- und Randvokabular hat Ähnlichkeiten mit der Unterscheidung zwischen =>Inhaltswörtern und =>Funktionswörtern, ist aber nicht vollkommen damit identisch. =>SNUG

kindliche Sprechapraxie

Relativ seltene expressiv Sprach- und Sprechstörung bei Kindern. Das Sprachverständnis ist nicht betroffen, sondern nur die Sprachproduktion. Wie bei der Sprechapraxie der Erwachsenen liegt eine zentrale Störung der Planung und Programmierung von Sprechbewegungen vor, die das gesamte sich entfaltende Sprachsystem des Kindes (bspw. Wortschatzaufbau und Grammatikerwerb) beeinträchtigt. Die kindliche Sprechapraxie wird manchmal auch „verbale Entwicklungsdyspraxie“ genannt. Das hat den Nachteil, dass der Eindruck entstehen könnte, es handele sich um eine vorübergehende Störung.

Kodierung

Allgemein bedeutet Kodierung die Zuordnung von Variablen einer Liste zu Variablen einer zweiten Liste, beispielsweise kann man Buchstaben durch Morsezeichen kodieren oder Felder auf einem Schachbrett durch die Angabe von Buchstaben für die Spalten und von Zahlen für die Zeilen. Im Kontext Unterstützter Kommunikation wird Kodierung genutzt, um mit einem kleineren Symbolrepertoire ein größeres Symbolrepertoire ansteuern zu können oder um die Selektionsgeschwindigkeit beim Scannen zu erhöhen. Es gibt verschiedene Möglichkeiten der Kodierung, beispielsweise =>alphanumerische Kodierung, =>Farbkodierung, =>semantische Kodierung (z.B. bei =>Minspeak).

Kokonstruktion

(auch Ko-Konstruktion) gemeinsame Entschlüsselung der Bedeutung des Gemeinten aus dem Gesagten. Äußerungen sind mehrdeutig, insbesondere wenn sie mit Unterstützter Kommunikation gebildet werden. Beispielsweise müssen bei geringem Vokabular Begriffe oft umschrieben oder durch ähnliche Ausdrücke angedeutet werden. Durch Nachfragen und andere Klärungsstrategien kann dann herausgefunden werden, was mit der Äußerung gemeint ist.

Kommunikation

Der Begriff Kommunikation wird in verschiedenen Bedeutungen gebraucht, ggf. muss präzisiert werden, was gemeint ist. In einer der weiten Bedeutungen bezieht er sich darauf, dass jede Lebensäußerung eines Menschen von einem anderen kommunikativ interpretiert werden kann, z.B. bei der sog. nichtintentionalen Kommunikation des Säuglings vor dem Erwerb der =>Joint Attention. In einer der engeren Bedeutungen wird von Kommunikation erst dann gesprochen, wenn die kommunizierende Person bewusst die Aufmerksamkeit des Partners hin auf ein Objekt oder Ereignis steuert, um beim Partner bestimmte Gedanken hervorzurufen. Im letzteren Verständnis ist Kommunikation definitionsgemäß intentional, daher ist es in dieser Lesart unsinnig, von „nichtintentionaler Kommunikation“ zu sprechen.

Den oben aufgeführten Definitionen ist gemeinsam, dass Kommunikation als soziales Handeln konzipiert wird, entweder des Empfängers der Kommunikation (weiter Kommunikationsbegriff) oder beider Kommunikationspartner (enger Kommunikationsbegriff) bzw. in einer bestimmten Lesart des Begriffs auch der kommunizierenden Person allein (ebenfalls enger Kommunikationsbegriff). Daneben gibt es noch weitere Gebrauchsweisen des Begriffs, beispielsweise den der Nachrichtentechnik (Kommunikation als Signalübertragung) oder den Luhmannschen Kommunikationsbegriff, demzufolge Kommunikation eine Operation sozialer Systeme ist. 

Kommunikation, intentionale und nichtintentionale

mehrdeutiger Begriff. Oft wird von „nichtintentionaler Kommunikation“ gesprochen, wenn die Person zwar durch Körpersprache, Handlungen und sichtbare vegetative Veränderungen (z.B. Erröten, schnellere Atmung) Informationen über sich preisgibt, dies aber nicht mit der Absicht tut, diese Informationen anderen zukommen zu lassen. Intentionale Kommunikation liegt hingegen dann vor, wenn sich die Person an einen Partner wendet, um seine geistigen Zustände zu beeinflussen. =>Intentionalitätsstufen

Kommunikationsebene

Man kann in der kindlichen Entwicklung zwischen verschiedenen Ebenen der Kommunikationsentwicklung unterscheiden. Relativ verbreitet ist die Unterscheidung in nichtintentionale Kommunikation, nichtsymbolische intentionale Kommunikation, symbolische intentionale Kommunikation und sprachliche Kommunikation. Die verschiedenen Ebenen  treten in der Entwicklung des Kindes nacheinander auf, wobei jede dazukommende Ebene zur vorhergehenden hinzukommt und diese nicht etwa ablöst. Resultat dieser Entwicklung ist, dass auf allen Niveaus einzeln oder ineinandergreifend kommuniziert werden kann.

Kommunikationsform

bezeichnet, je nach Kontext, unterschiedliche Klassifikationen von Kommunikation. Im Kontext der UK bezeichnet der Ausdruck

1. unterschiedliche =>Repräsentationsformen des Vokabulars (z.B. Objekte, Piktogramme, Lautsprache, Schriftsprache, Gesten, Gebärden)

2. unterschiedliche Ansteuerungsformen für das Vokabular (z.B. Auswahl durch Blinzelcode; Zeigen mit der Hand; Scanning)

3. unterschiedliche Formate für die Präsentation des Vokabulars (z.B. Kommunikationstafel; Sprachausgabegerät; Papier und Bleistift; körpereigen). =>Kommunikationsmodus, Kommunikationsmethode

Kommunikationsfunktion

Bates unterscheidet zwischen zwei Kommunikationsfunktionen: Bei (proto)imperativen Äußerungen (=>proto) will das Kind, dass der Kommunikationspartner etwas tut, beispielsweise einen Gegenstand holt. Der Partner ist hier das Instrument zum Erreichen eines nichtkommunikativen übergeordneten Ziels, wie einen Gegenstand zu bekommen oder eine bestimmte (nichtkommunikative) Handlung auszuführen. Bei (proto)deklarativen Äußerungen (=>proto) will das Kind, dass der Partner mit ihm gemeinsam die Aufmerksamkeit auf einen Gegenstand richtet, um eine Erfahrung zu teilen. Hier ist der Gegenstand das Instrument zum Erreichen eines kommunikativen Ziels. Aufbauend auf dieser Unterscheidung differenziert Tomasello zwischen drei unmittelbaren Funktionen einer kommunikativen Äußerung (Kommunikationsmotiven): Jemanden zu einer Handlung zu veranlassen (imperative Funktion), jemandem über etwas zu informieren (deklarativ-expressive Funktion) und Gedanken und Gefühle mit einer anderen Person zu teilen (deklarativ-informative Funktion). Andere Autoren nehmen andere Unterscheidungen vor.

Kommunikationshilfe

Hilfsmittel zur Erweiterung der Kommunikationsmöglichkeiten. Man unterscheidet zwischen nichtelektronischen Kommunikationshilfen (Buchstabentafeln, Bild- und Symbolkarten und -tafeln, Kommunikationsbüchern etc. einschließlich der entsprechenden Zeigehilfen) und =>elektronischen Kommunikationshilfen (Sprachausgabegeräten, Computern, Eingabe- und Bedienhilfen). Dem Terminus entspricht im Englischen der Ausdruck „assistive communication device“.

Kommunikationskanal

anderes Wort für =>Kommunikationsmedium

Kommunikationskompetenz

besteht aus der =>linguistischen Kompetenz, der =>pragmatischen Kompetenz, der =>strategischen Kompetenz und der =>operationalen Kompetenz. =>Sprachkompetenz

Kommunikationsmedium

ist das physikalische Medium oder der Weg, über den die Informationen ausgetauscht werden. =>Kommunikationskanal

Kommunikationsmodus

ist eine Art =>Kommunikationsformen zu klassifizieren. In der Regel, falls nicht anders ausgewiesen, bezieht sich der Begriff auf die verschiedenen Kommunikationskanäle, die zur Übertragung oder zum Empfang der Äußerung benutzt werden, z.B. visueller Kommunikationsmodus, auditiver Kommunikationsmodus.

Kommunikationsniveau

anderes Wort für =>Kommunikationsebene

Kommunikationsrepertoire

Die Gesamtheit der Äußerungsmöglichkeiten einer bestimmten Person. Es besteht aus dem =>individuellen Vokabular, den jeweiligen Repräsentationsformen des Vokabulars und den beherrschten Anwendungsregeln.

Kommunikationsstufe

anderes Wort für =>Kommunikationsebene

Kommunikationssystem

siehe =>individuelles Kommunikationssystem

Kommunikationsstrategie

Im Kontext Unterstützter Kommunikation Bezeichnung für eine Reihe von Fertigkeiten der kommunizierenden Person, die dazu dienen, die Kommunikationshilfen, Symbole und Techniken so einzusetzen, dass sie möglichst effektiv die Kommunikation verbessern oder beschleunigen.

Beispiele: Strategien, um ein Thema zu finden, das Gespräch aufrechtzuerhalten und um Missverständnisse zu erkennen und zu klären; situations- und personenspezifischer Einsatz der Kommunikationshilfe.

Kommunikationstafel

Nichtelektronische Kommunikationshilfe, bestehend aus einer Unterlage (Holz, Pappe, Plastik etc.) und den darauf befestigten =>Symbolen, die eine Person zur Erweiterung ihrer Ausdrucksmöglichkeiten nutzt. Kommunikationstafeln können z.B. als ganze Seite ausgedruckt und laminiert sein, oder es werden einzelne Symbolkarten mit Klett auf einer Unterlage befestigt. =>nichtelektronische Kommunikationshilfen

Kommunikationstagebuch

EinHeft, das der Nutzer einsetzen kann, um z.B. in der Schule zu erzählen, was sie oder er zu Hause erlebt hat und umgekehrt. Das Kommunikationstagebuch wird stellvertretend für den Nutzer von den jeweiligen Kontaktpersonen (z.B. Lehrer und Eltern) geführt, unter größtmöglicher Einbeziehung des Nutzers. Das Kommunikationstagebuch kann auch elektronisch geführt werden (Kassettenrecorder; Sprachausgabegerät). Beide Formen haben ihre jeweiligen Vor- und Nachteile.

Kommunikationstechniken

Fähigkeiten und Fertigkeiten in der Verwendung der körpereigenen Kommunikationsformen oder in der Bedienung einer Kommunikationshilfe (=>operationale Kompetenz). Zur Bedienung von Kommunikationshilfen gehören z.B. je nach Ansteuerungsmethode die Techniken Zeigen, Greifen, Drücken und das Beherrschen von direkten und indirekten Selektionstechniken.

Komplexität

Gesamtheit aller Merkmale, Vielschichtigkeit. Der Begriff wird bei der Untersuchung grafischer Symbole häufig in der Literatur verwendet, wobei dann im Einzelnen Komplexität operationalisiert werden muss (z.B. Anzahl der Striche in einer Zeichnung).

konkrete Symbole

mehrdeutiger Begriff. Oft ist damit das Gegenteil von =>opaken Symbolen gemeint oder von =>abstrakten Symbolen.

konventionelles Symbol

durch Verabredung vereinbart, allgemein bekannt, üblich. Es ist nicht notwendig, dass diese Verabredung explizit erfolgt, z.B. sind lautsprachliche Wörter in der Regel konventionelle Symbole, ebenso wie Kopfnicken zur Bejahung und Kopfschütteln zur Verneinung. Gegenteil =>idiosynkratisches Symbol

körpereigene Kommunikationsform

sind Kommunikationsformen, die mit Hilfe des Körpers ohne den Einsatz zusätzlicher Hilfsmittel vollzogen werden können. Körpereigene Kommunikationsformen können z.B. sein: Lautsprache; Vokalisationen; Blickbewegungen; Mimik; =>Gesten; =>Gebärden; =>Fingeralphabet; individuelle Systeme (z.B. das Schreiben von Buchstaben mit dem Kopf in die Luft).

körpereigene Symbole

sind =>Symbole, die ausschließlich mit Hilfe des Körpers hergestellt werden, z.B. die Wörter natürlicher Lautsprache, =>Gebärden, =>Fingeralphabet. Auch hier wird der Symbolbegriff gelegentlich sehr weit gefasst, kann also nichtsprachliche Zeichen wie =>Mimik und =>Gesten mit einschließen. Der Terminus entspricht dem englischen „unaided symbols“.

Körpersprache

umgangssprachlicher Begriff für verschiedene nichtlautsprachliche Kommunikationsformen, z.B. Gesten, Kopfbewegungen und andere Körperbewegungen, Körperhaltung, Gesichtsausdruck, Blickrichtung, räumliche Nähe und Einstellung, Körperkontakt, Orientierung, Tonfall und andere nonverbale Aspekte der Sprache wie Kleidung und Schmuck.