Auswahl in der Unterstützten Kommunikation

Für manche Personen ist es mitunter schwierig aus verschiedenen Möglichkeiten auszuwählen. Das Auswählen hat jedoch eine sehr wichtige Funktion für die Entwicklung von Selbstbewusstsein, Identität, Selbstverantwortung und Selbstbestimmung. Etwas auswählen können schult die Konzentration und stellt eine wichtige Basis für weitere Lernschritte dar.

Schwierigkeiten beim Auswählen können entstehen durch:

  • Sprachbeeinträchtigung: ich kann nicht ausdrücken, wofür ich mich entschieden habe
  • Sinnesbeeinträchtigungen: ich kann die gebotene Auswahl nicht hören oder sehen
  • Motorische Beeinträchtigung: ich kann nicht auf das zeigen, was ich ausgewählt habe
  • Kognitive Beeinträchtigung: es fällt mir schwer, mehrere Möglichkeiten miteinander zu vergleichen und eine davon auswählen

Verschiedene Hindernisse am Auswählen erfordern kreative Lösungen. Durch Zeigen auf Bilder oder Schriftbilder kann eine nichtsprechende Person die entsprechende Auswahl treffen. Für viele Menschen ist das Auswählen leichter, wenn sie die verschiedenen Möglichkeiten als Miniaturen, Bilder, Fotos oder Symbole vor sich sehen. Sie können sie so lange betrachten, wie sie wollen und miteinander vergleichen. Ist es für sie nicht möglich, selber auf die ausgewählte Möglichkeit zu zeigen, kann ein Gesprächspartner die Möglichkeiten durch Draufzeigen mit dem Finger und Vorlesen durchgehen. Manchmal ist es auch nötig, das jeweils vorgestellte Bild einzeln direkt vor die Augen zu halten, damit es gut wahrgenommen werden kann. Ein mit dem nichtsprechenden Menschen vereinbartes Zeichen oder Hinweis wird als Zustimmung festgelegt. Für Menschen, die nicht gut sehen können, ist es oft schwierig, sich die vorgesagten oder vorgelesenen Möglichkeiten zu merken. Wichtig ist es daher, die Auswahl zumindest anfänglich auf 2 oder 3 Möglichkeiten zu beschränken.

Alternativ zum Vorlesen der Auswahlmöglichkeiten kann auch das Kommunikationsgerät "Step-by-Step" für die Auswahl eingesetzt werden, wahlweise mit einem BigMack als Ergänzung (abhängig von den motorischen Fähigkeiten). Auf dem Step-by-Step werden die Möglichkeiten nach der Reihe aufgesagt, die nichtsprechende Person kann durch Drücken von einer Möglichkeit zur nächsten gelangen. Sie kann sich die Möglichkeiten immer wieder anhören, bis sie weiß, welche sie wählen möchte. Ein Zeichen/ein Laut kann die Wahl deutlich machen bzw. kann ein BigMack oder zweiter Step-by-Step die Aufnahme abspielen: „Das möchte ich!“

Bild: spazieren

Beispiel: Eine nichtsprechende Person soll auswählen, wer sie auf dem Spaziergang begleiten soll. Auf dem Step-by-Step werden die verschiedenen Namen aufgesprochen: „der Willi“, „die Elke“, „die Andrea“. Auf dem BigMack kann man aufnehmen: „… soll mit mir spazieren gehen!“

Im Alltag lassen sich auf diese Weise viele Entscheidungssituationen finden. Je mehr eine nicht sprechende Person über den eigenen Alltag entscheiden kann, desto selbständiger wird sie werden, desto mehr fühlt sie sich in ihr eigenes Leben eingebunden, desto eher wird sie auf Lernangebote eingehen – desto spannender ist das Leben wie folgende Beispiele für Entscheidungssituationen zeigen:

  • welche Kleidung wird angezogen
  • kleine Auswahl beim Frühstück: Getränke, Semmel/Brot
  • welcher Sitzplatz im Auto/Bus
  • welcher Radiosender/Musik im Auto
  • welche Geschichte/welches Buch wird vorgelesen
  • wer darf neben mir sitzen
  • welches Lied soll gesungen werden (Morgenkreis)
  • wo möchte ich beim Tisch sitzen
  • welche Farbe soll das Getränk haben
  • wer kommt als erster dran
  • wohin geht der Spaziergang
  • wen rufen wir an
  • Baden oder duschen
  • welches Kuscheltier kommt mit ins Bett
  • etc.

Viele Entscheidungssituationen lassen sich mit einer Geschichte schaffen. Erzählen oder erfinden Sie eine Geschichte, in der häufig 2 Auswahlmöglichkeiten vorkommen. Ideal ist es, wenn sie die Entscheidungsmöglichkeiten bildlich darstellen, wie zum Beispiel durch Boardmaker-Symbole:

Geht es in der Geschichte um eine Ameise oder eine Raupe?
(man kann etwas über das Tier erzählen)

Bild: Ameise oder Raupe

Ist sie in der Wiese oder im Wald?
(etwas über Wiese oder Wald erzählen)

Bild: Wiese oder Wald

Geht sie spazieren oder besucht sie jemanden?
(was erlebt sie beim Spazieren oder wen besucht sie –> nächste Auswahl)

Bild: spazieren oder besuchen

Die „selbstbestimmte Geschichte“ wird bestimmt viel Spaß machen!

Viel Spaß wünscht

Irmgard Steininger

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