App Entwicklung und das LIFEtool App Stufenprogramm

Foto: LIFEtool Beraterin Claudia Pointner und der kleine Junge Connor üben gemeinsam am iPad mit der LIFEtool App Flashwords das Ganzwortlesen.

Fakt ist: Es gibt eine Fülle von Training-Apps, um beispielsweise die Bedienung eines Tablet-Computers zu erlernen oder sich die Kulturtechniken anzueignen. ABER: es gibt keine Apps in deutscher Sprache, die auf einem für die Bedürfnisse von Menschen mit Behinderung adäquaten pädagogischen Konzept basieren. 

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LIFEtool App-Stufenprogramm

Neben den technisch formulierten Anforderungen an die Apps ist von vorrangiger Bedeutung, dass die Betroffenen mit den Apps ein Training- und Lerninstrumentarium an die Hand bekommen, das sie auf ihrem Weg zu einer gelingenden Kommunikation begleitet. Aus der Wissenschaft ist bekannt und aus der Erfahrung der Beratungspraxis tausendfach bestätigt, dass je früher diese pädagogische Begleitung ansetzt, umso größer die Erfolge für die Einzelnen sind. Können dabei auch individuelle, persönliche Adaptierungen gemacht werden, umso größer ist die Akzeptanz des Umfeldes wie Familie, Schule und Freunde. 

Spielen und Frühförderung (bis 6 Jahre)

Auf einem Weg zu einer solchen gelingenden Kommunikation gibt es Schritte, die einzuhalten sind – da kann man auf die umfangreichen Forschungen der Unterstützten Kommunikation und der Entwicklungspsychologie vertrauen. Am Anfang allen Lernens steht das Ursache-Wirkungsprinzip – seine Eigenwirksamkeit zu erfahren, ist eine der ersten Lernerfahrungen – zu lernen, dass man eine Taste drückt und dann etwas passiert und dass man selbst es war, der dieses „etwas“ bewirkt hat, steht auch am Anfang des „frühen Lernens“.

In der Frühförderung geht es darum, spielerisch das Ursache-Wirkungs-Prinzip zu erlernen. Es geht ums Ausprobieren und darum die Erfahrung zu machen, etwas auslösen zu können und damit seine Selbstwirksamkeit zu spüren. Bei mobilen Geräten wie Tablet-Computern ist es auch wichtig, die Basisfunktionen „Wischen“ und „Drag & Drop“ zu beherrschen, entweder mit dem Finger oder wenn das nicht möglich ist, dann mit alternativen Möglichkeiten wie Tasten und Scanning (TouchMe Trainer, SwitchTrainer, TouchMe Uncolour).

Die nächste Stufe ist das Antizipieren, das Wissen, wo der nächste Schritt ist und auch ein Bild davon zu haben – die LIFEtool App TouchMe Puzzle Klick trainiert beispielsweise diese Fähigkeit.

Als nächsten Schritt wird man in der Förderung das Lernen von Buchstaben und Begriffen üben – als hervorragend geeignet hat sich hier TouchMe Pairs herausgestellt, das sich an das bekannte und beliebte Memory-Spiel anlehnt. Diese App ist eine hervorragende Grundlegung für den nächsten Schritt: Sprechen und Lesen lernen. 

Die einzelnen Schritte sind nicht immer für sich singulär zu sehen. Das berücksichtigt LIFEtool, in dem sich manche Apps in den beschriebenen Entwicklungsschritten überlappen bzw. angrenzende Kenntnisse und Fähigkeiten miteinbauen.

Lernen und Kulturtechniken (4-14 Jahre)

Wenn wir unseren Weg zur gelingenden Kommunikation weitergehen, dann ist der Erwerb der Kulturtechniken Lesen, Schreiben, Rechnen der nächste – und sehr große Schritt.

Die 2015 fertiggestellte App FlashWords macht sich die Methode des „Ganzwortlesens“ zunutze, die gerade für Kinder mit Down-Syndrom bestens geeignet ist, um das Lesen zu lernen. Als nächsten Bereich wollen wir uns intensiv der Dyskalkulie widmen, ein Bereich, bei dem der Bedarf an Training-Apps sehr groß ist und wo es darum geht, Kinder und Jugendliche mit Rechenschwäche gezielt zu fördern.

Lebensnahe Bildungsinhalte (Lebenslanges Lernen)

Der dritte Bereich der LIFEtool Apps ist der Bereich, aus dem auch häufig Wünsche von Menschen mit Behinderung selbst geäußert werden – Bedarfe, die sich aus dem Alltag und der Bewältigung des Alltags ableiten lassen wie der Umgang mit Geld beispielsweise oder dem Erfassen der Zeit und der Erlernen der Uhr. Natürlich gibt es auch für diesen Bereich eine Vielzahl von Trainings-Apps, aber wie bereits ausgeführt, nicht in der pädagogischen Qualität, die Apps haben müssen, wenn die Bedürfnisse von Menschen mit Behinderung ernst genommen werden.